Sonntagskees 2012 PDF Drucken E-Mail

13.8.2012 – Bericht zur Entdeckung einer Kluft im Obersulzbachtal mit Laumontit, Epidot , Bergkristall (Quarz) und Chlorit als Kluftfüllung

Gemeinsam mit Stefan Lebernegg möchte ich (Peter Pointner) heute eine im Vorjahr entdeckte, aber noch nicht bearbeitete Kluft am Gletscherrand vom Sonntagskees besuchen. Heute genehmigen wir uns zusätzlich auch das Tälertaxi von der Kürsingerhütte. Bei der Talstation angelangt geht’s auch gleich ins weglose, felsendurchsetzte Gelände. Die Spannung steigt, ob die derzeitig vorherrschende Schneelage die Kluft überhaupt freigibt, aber nach rund 2 Stunden Aufstieg ist deren Schneefreiheit Gewissheit.

Die Kluft an sich ist als Hohlraum unterhalb zweier schräg zusammenlaufender Quarzbänder im kompakten Tonalitgneis des Venediger-Kerns entwickelt. Die Kluft ist rund 50 cm tief und bis zu 15 cm breit und komplett „gereift“. Ein horizontaler Zwischenboden trennt den chloritgefüllten Boden vom oberen lufterfüllten Hohlraum. Dieser Zwischenboden besteht aus einer komplett zerlegten Laumontit-Kristallmatrix und lamellenartigen Resten von Gestein. Micromount-Stücke in Fingernagelgröße bestimmen die vorerst schönsten Laumontit-Stufen mit bis zu 5mm großen, rautenförmigen weiße Kristallen. Aus dem chloritgefüllten Boden konnte ein glasklarer Bergkristall mit 10 cm Länge geborgen werden. Leider handelt es sich bei dem Kristall um ein Unikum. Die weitere Bearbeitung des Zwischenbodens brachte dann überraschend zwei hervorragende Laumontit-Stufen an die Oberfläche. Eine weitere Kleinstufe aus dem unteren Kluftbereich besitzt zerbrochene und wiederverheilte, bleistiftdicke Epidotkristalle, vergesellschaftet mit chloritüberzogenen Laumontit-Kristallen.

Aufgrund der Instabilität des chlortifreien, alpinen Laumontits unter normalen athmosphärischen Bedingungen, sind die meisten Laumontit-Stufen mehr der Bröselkategorie zuzuordnen. Die geeignete Konservierungsstrategie ist noch nicht zur Gänze ausgetestet. Eine permanente Feuchthaltung der Stufen gewährleistet derzeit eine zwar nicht vitrinentaugliche aber zumindest zerlegungsresistente Aufbewahrungsalternative.

Fotos (Pointner, Lebernegg):

Bild_1 – perfekte Wetterverhältnisse im September 2011 am Tag der Entdeckung im Angesicht des Großvenedigers

Bild_2 – ohhh, du schöne Salzburger Heimatberge

Bild_3 – die Laumontit-Kluft vor der Öffnung, gut zu erkennen sind die beiden v-förmig nach unten zusammenlaufenden Quarzbänder

Bild_4 – der Zwischenboden trennt den chloritgefüllten unteren vom lufterfüllten oberen Klufthohlraum, das Quarzband bildet an der der Decke kleine, stark zerbrochene Bergkristalle aus

Bild_5 – Peter bei der vorsichtigen Bergung winziger Laumontit-Stufen aus dem bröseligen Zwischenboden

Bild_6 – mit Helmkamera wird auch die Bergung zahlreicher „Wegschmeißit-Stufen“ dokumentiert

Bild_7 – Laumontitstufe, Bildbreite ca. 7 cm

Bild_8 – vollflächig besetzte Laumontitstufen mit Verstärkung als Größenvergleich

Letzte Aktualisierung ( Montag, 7. Januar 2013 )